CeBIT – das Ende einer Ära

– Nachruf –

Es geht gerade durch die sozialen Medien: die CeBIT wird eingestellt.

Gerade bei den computerbegeisterten Nutzern werden da Erinnerungen wach. Viele der heutigen 40er und 50er sind als „Teens“ oder „Twens“ zur CeBIT gefahren, um dort einen Tag lag komplett ins Hobby abzutauchen. So auch ich.

Ich weiß es gar nicht mehr so genau, doch ich glaube ich war die 90er hindurch jedes zweite Jahr dort – mal mit meinem Vater, mal mit einem Studienkollegen, mal mit guten Freunden oder auch alleine. Nur zweimal hatte es was mit meiner damaligen Tätigkeit (einmal als „Technik-Hiwi“ an der Uni, einmal als Supporter bei DERDATA) zu tun, sonst war es Hobby. Aber immer war es ein tolles Gefühl, als Junge vom Dorf oder Student aus der ländlich gelegenen Mittelstadt in die „große, weite, spannende Welt“ der Computertechnik einzudringen und dort all die Möglichkeiten zu sehen, die uns zu dieser Zeit geboten wurden, vielmehr aber noch die, die uns in Zukunft das Leben so wunderbar gestalten würden. Optimismus und der absolute Glaube in die Technik war da noch weit verbreitet. Die Technologie würde eine Lösung für jedes Problem bereitstellen, sie müsste nur erfunden werden. In diesem, „meinem“ CeBT-Jahrzehnt habe ich die unglaubliche Entwicklung vom PC als stationärem Arbeitsplatz, über die ersten bezahlbaren mobilen Computer  („Schlepptops“), die ersten Rassel-Piep-Modems bis hin zum Internet direkt miterlebt und alles Neue versucht, in mein Leben zu integrieren – oft an selbst gebauten Computern. Eine tolle Zeit!

Diese Nostalgie erweckt Sehnsüchte. Heute kommt all das so „geschniegelt“ her. Es klappt – meistens jedenfalls – recht gut, aber so richtig Faszination will nicht mehr aufkommen. Vielleicht ist das einer der Gründe warum ich (und vermutlich viele andere) einen Hobby-Wechsel vom Computerkram zur Fotografie, gerade auch zum Thema „Retro“ vollzogen habe. Heute gibt es Mini-Computer im Gameboy-Design auf denen etliche hundert Retro-Games fest installiert wird. Steht auch hier. Womöglich sehnt man sich nach dem „Einfachen“, dem „Kantigen“ und ist froh, wenn ein Spiel nicht perfekter ist als es der Spieler jemals sein könnte. (OK, es gibt ja noch EA, die es immer wieder auf’s Neue schaffen, ein Spiel fernab von perfekt zu machen. 😉 )

Toll auch die Erinnerungen an die „Typen“, die man dort gesehen hat. Ganze Sozialstudien hätte man vor Ort betreiben können: vom stereotypen, pickeligen Nerd über den Jugendlichen, der im schlecht sitzenden Anzug „Businesswelt“ spielte, über äußerst attraktive Hostessen, die von unsicheren bis zu geifernden Blicken vieles aushalten mussten, bis hin zu den echten Geschäftsleuten, die gefühlt mit jedem Jahr mehr und mehr in der Minderheit waren – alles war vertreten.

Zu Beginn schmissen die Firmen nur so mit Geschenken und Gadgets um sich. Es war durchaus möglich, dass man mit Software im Wert von mehreren hundert DM nach Haus fuhr. Im Laufe der Jahre aber wurde das deutlich weniger und irgendwann konnte man froh sein, wenn man eine Diskette mit einer Try-out Version bekam (die man dann löschte und als leere Diskette weiternutzte). Das Sammeln von Prospekten unterließ ich sehr schnell, denn das führte nur zu einem Haufen von Papiermüll.

Irgendwann wurde das Ganze für mich immer weniger Informationsquelle und immer mehr zur Gelegenheit, diese besondere Atmosphäre „einzuatmen“, bis ich schließlich nicht mehr hingefahren bin. Ich glaube, ich war nur noch einmal nach 2000 dort. Passend zu Hobbywechsel und Berufsstart lösten die Photokina und die Didakta die CeBIT ab. Außerdem wurde es schwieriger Zeit zu finden, weil ich eben nicht mehr studierte, sondern arbeitete – und zwar nicht (oder nur indirekt) im IT-Bereich.

Dennoch werde ich diese Computermesse, gerade die ersten Male, in sehr schöner Erinnerung behalten. Danke.

RIP, CeBIT.

Advent, Advent…

Man mag es nicht glauben, kommenden Sonntag ist der 1. Advent. „Kinder, wie die Zeit vergeht!“. Aber echt. Wo laufen denn die ganzen Wochen hin? Klar, „the days are just packed“ , wie eine lustige Comic-Figur so schön sagt, doch subjektiv betrachtet gleitet einem die Zeit durch die Finger.

Und zum Fotografieren komme ich kaum noch. Ich kann und will mich nicht beschweren. Mein Job macht mir Spaß und ich habe und pflege ja auch noch andere Hobbies, die in den letzten Wochen mehr Zeit eingenommen haben als der „Fotokram“. Wenn es aber dann auf den Advent zugeht, dann fragt man sich dann doch, wo das Jahr geblieben ist.
Sowas kennt man von früher ja nur von den „Alten“. Oh weh, gehöre ich jetzt auch schon dazu? Der eine oder andere Teenager würde da sicherlich zustimmen. Doch so richtig alt fühle ich mich gar nicht, was wohl auch damit zusammen hängt, dass ich viel mit jungen Menschen zu tun habe. Da bleibt man vielleicht in der Seele etwas jünger.

Wie auch immer, ich freue mich, heute Abend mal wieder meine Kameras in die Hand zu nehmen – diesmal wieder mit dienstlichem Hintergrund und auf das kommende Wochenende, das auch mal wieder einen Schwerpunkt in Richtung „Kamera, Objektive und Fotos“ hat, aber auch einen sozialen – wie so oft, weil man sich mit anderen Fotobegeisterten trifft. Ein weiteres Treffen im Dezember ist auch schon so gut wie ausgemacht, sodass mein Zeugs mal wieder etwas Luft abbekommt. 😉

Genießen wir die Vorweihnachtszeit und nicht vergessen: das kommt nur einmal im Jahr, also nicht verpassen!

 

 

Spaß an der Freude…

Warum fotografieren Fotografen? Die einen, weil sie Geld damit verdienen. Die anderen, weil sie Kunst schaffen wollen oder Erinnerungen. Und wieder andere, weil es ihnen extrem viel Spaß bereitet. Zu letzteren gehöre ich – allerdings spielt das Schaffen von Erinnerungen auch eine große Rolle, vor allem seitdem ich Kinder habe.

Mir macht es Spaß, auszuprobieren was mit welcher Technik möglich ist und welche Bilder man damit erschaffen kann. Das bedeutet aber auch – und da unterscheide ich mich von manch anderen Foto-Hobbyisten – dass die Technologie an sich und das Beschäftigen mit derselben für mich auch sehr wichtig ist.

Daher stellt sich beinahe zwangsläufig die Frage, ob es Technologien, sprich Kameras und Objektive, gibt, die mehr Spaß machen als andere. Das ist eine andere Frage als die, ob die eine Kamera besser ist als eine andere. Und die Antwort lautet: „Ja, definitiv!“

Viele Kamera machen eine Menge Spaß. Einige nicht so sehr, weil sie irgendwie nervig sind in ihrer Bedienung oder in ihrem Konzept. So bin ich nie wirklich warm geworden mit den Sigma DSLRs (obwohl ich noch immer ein SD9 hier habe). Bei der kompakten DP1s ist das ganz anders, die macht aus welchem Grund auch immer, richtig viel Spaß.
Wenn andere das anders sehen, ist das genau der Punkt, der bei diesem Thema wichtig, geradezu essentiell ist: Was Spaß macht ist absolut individuell!

Ich finde meine Sony A7II zum Beispiel extrem vielseitig und die Ergebnisse sind klasse. Auch meine Nikon Df ist eine super Kamera, für Portraits (vor allem mit Blitz) immer noch meine erste Wahl. Doch keine andere Kamera macht mir soviel Spaß wie die Leica M240, nicht einmal die M8 und die ist schon toll.

Warum ist das so? Das ist nicht leicht zu beantworten. Vielleicht so: Die Leica M ist hervorragend verarbeitet, das ist für mich von großer Bedeutung. Sie fühlt sich wertig an und man möchte sie immer wieder in die Hand nehmen. Dass die Bedienung einer Masssucherkamera mir ohnehin zusagt, hilft natürlich auch und die Ergebnisse lassen – für mich – keine Wünsche offen, weder bzgl. Auflösung noch Farben noch Rauschverhalten. Die Dateien lassen sich zudem sehr gut weiterbearbeiten. Es passt also alles – wie gesagt für mich! – und für die Art von Fotos, die ich gerne mache.

Wenn ich Fußballfotos vom Spiel meines Sohnes gemacht habe, blieb die M zuhause und eine DSLR kam mit. Lange Teles sind nicht wirklich das Metier der Leica M. Telefotografie macht aber auch nur einen sehr kleinen Teil meines Portfolios aus.

Was bedeutet das nun? Nun, zum einen, dass ich ein echter Fan der M-Fotografie bin und zum anderen, dass niemand sich vorschreiben lassen sollte, was er oder sie gut findet. Stehen Sie zu dem, was Ihnen Spaß macht und erfreuen Sie sich daran! 🙂

 

Auflösung des „Versuchs“

Vorgestern hatte ich ja einen kleinen Versuch gestartet, in dem ich drei Fotos zeigte und gerne wissen wollte, ob jemand diese zugegebenermaßen kleinen Bilder drei Kamera zuordnen kann. Einige lagen hier, per Mail und auf Facebook daneben, andere haben komplett richtig getippt. Danke für’s Mitmachen!

Hier ist die Lösung:

 

8_100
Bild 1 – Das stammt aus der Leica M8 mit dem Elmarit-M 2.8/21.

 

7_100
Bild 2 stammt aus der Sony A7 II mit dem Ultron 2/28.

 

2_100
Bild 3 kommt aus der Sigma DP1s.

Ich finde auch, wie viele geschrieben haben, dass es fast nicht möglich ist, dies bei dieser Größe sicher zuzuordnen. Glückwunsch an die, die es dennoch geschafft haben!

Spannend fand ich die Anmerkung, dass sich im Bild zwei oben links in der Ecke eine Unschärfe bemerkbar macht. Das ist in der Tat so, liegt aber nicht, wie von einem Kommentartor vermutet, an einer Dzentrierung, sondern daran – wie von einem anderen richtig geschrieben – dass hier ein weitwinkliges Messsucher-Objektiv an die Sony 7 adaptiert wurde. Das muss nicht, kann aber zu mehr oder weniger starken Problem führen. (Die Bilddarstellung hier im Blog verstärkt diese Wirkung übrigens noch.)

Ich hatte ja auch erwähnt, dass man schon bei ISO 400 die Unterschied deutlicher sieht, was vor allem an der ziemlich schwachen „High-ISO-Leistung“ der Sigma liegt:

 

8_400
Leica M8 – keine Einschränkungen bei ISO 320.

 

7_400
Sony A7II – ebenfalls keinerlei Einschränkungen bei ISO 400.

 

2_400
Bei der Sigma DP1s sollte man hingegen ISO 400 nur im Notfall benutzen. Die Farben sind bereits ausgewaschen und Details gehen im Rauschen unter.

Fazit?

  • Für kleinere Prints bzw. die Darstellung im Internet reichen auch Sensoren mit wenigen MegaPixel aus. Wichtiger als die Zahl kann die Größe des Sensors sein.
  • Für große Drucke oder Ausschnittsvergrößerungen benötigt man natürlich eine höhere Auflösung. (Wobei man mit 10 oder 12 MPix so ziemlich jede Druckgröße bedienen kann.)
  • Fotografiert man mit älteren Sensormodellen, sollte man sich auf niedrige ISO-Werte beschränken.

Das sind nn alles keine wirklich neuen Erkenntnisse, doch hin und wieder finde ich es gut, wenn man althergebrachte Weisheiten durch echte Beispiele bestätigt – sozusagen empirisches Arbeiten. 🙂

 

 

 

 

 

 

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu…

… und natürlich fängt man an, sich Gedanken zu machen – darüber, wie 2016 war und wie 2017 wohl sein wird.

Global betrachtet war 2016 wahrlich kein gutes Jahr: Kriesen- und Kriegsgebiete weiten sich aus, religiöse Fanatiker morden und zerstören unwiederbringliche Kulturgüter, dass in einem selbst der Hass hochsteigt (obwohl man sowas immer vermeiden möchte), viele berühmte Persönlichkeiten sind gestorben (nicht, dass das Leben einer Berühmtheit mehr wert wäre als das eines „normalen“ Menschen“, aber wenn ein Umberto Eco, ein David Bowie oder ein Roger Willemsen gehen müssen, dann verliert die Welt eben doch ein gehöriges Maß an Kreativität und Intelligenz). Wenn man in den letzten Wochen in die Zeitung geschaut hat, saß man oft kopfschüttelnd und fassungslos da und wunderte sich über den Verfall der menschlichen Moral und man fragt sich, ob die Menschheit eigentlich immer dümmer wird.

Persönlich, also ganz für mich, war das Jahr 2016 „OK“, eigentlich ganz gut. Kein echtes Highlight-Jahr, aber auch kein wirklich schlechtes.
Es brachte so einige Veränderungen (Aublauf der Abordnung an die Uni mit der damit verbundenen Fassunglosigkeit über die Kurzsichtigkeit und Paragrafenreiterei des Kultusministeriums), von denen einige extrem viel Arbeit bedeuteten (Um- und Anbau am eigenen Haus, der sich noch bis ins kommende Jahr hinüberzieht).
Es bot ein paar wirklich schöne Erlebnisse: einen supertollen Herbsturlaub, ein paar überaus angenehme Treffen mit (Foto-)Freunden und unzählige schöne Stunden mit der Familie.

Es fällt schwer, die letzten unglaublich arbeitsintensiven Wochen nicht stellvertretend für das gesamte Jahr anzusehen, da sie so akut in Erinnerung sind. Daher versuche ich mich heute auch zurück zu besinnen auf die ersten 7 oder 8 Monate, in denen das Leben relativ „normal“ für mich war – so wie es in wenigen Wochen wieder sein wird. 😉

„Equipment of the Year?“

Im letzten Jahr waren die Tage „zwischen den Jahren“ (Ich lieben diesen Begriff!) bedeutend ruhiger und entspannter. Daher konnte ich dieses Jahr keine Liste meiner liebsten Ausrüstungsteile erstellen und beschreiben. Aber andererseits hat sich in 2016 auch nicht allzu viel geändert. Ich fotografiere noch immer am liebsten mit der Df, der M8 und meinen beiden Fujis sowie an und ab analog. Auch die „Lieblings“-Objektive sind weitgehend die gleichen, ebenso wie die Taschen, Stative usw.
Es ist lediglich, noch gar nicht so lange her, noch was dazu gekommen, das mir in den kurzen Momenten, die ich seitdem für meine Hobbys finde, richtig Spaß gemacht hat: die Olympus PEN E-P3. Daran nutze ich – neben einem 30er Sigma und adaptierten M-Objektiven, einige „Fun“-Linsen (z.B. eine Body-Cap-Lens, ein Experimental-Set von Lomography, einige C-Mount Objektive und die Pentax110-Reihe). Das ist kreativ und inspirierend und darauf freue ich mich in 2017.

Vorsätze?

Klar habe ich Vorsätze für 2017. Aber keine Liste. Im Grunde sind es die gleichen, die ich auch für 2016 (und 2015) schon hatte und – wie so oft – nicht komplett umsetzen konnte: mehr Zeit für meine Familie nehmen, Freundschaften besser pflegen, ein bisschen mehr trainieren, wieder etwas intensiver fotografieren, weniger „prokrastinieren“ (dafür mehr „machen“) und spontaner werden. Ich denke, ich bewege mich seit ein paar Jahren in diese Richtung und da mir das gut tut, werde ich diesen Weg weitergehen. 🙂

Ich wünsche allen, die diesem Blog folgen, ein friedliches, gesundes und fröhliches Jahr 2017. Passen Sie auf sich auf und achten Sie auf Ihre Liebsten!

„Sieht“ man Mittelformat?

Die Fuji GW690, eine 6×9 Messsucherkamera, habe ich seit etwas über einem Jahr. Man fotografiert ja nicht so oft mit einer Messsucherkamera, die so große Negative zaubert. Wenn man es tut, dann fragt man sich aber stets, warum denn eigentlich nicht?

690_w1

Die Ergebnisse aus Bad Homburg, ich berichtete, hatten mich schon begeistert:

Gestern habe ich den 220er Ilford FP4+ entwickelt (klassisch in Rodinal 1:50), der in der Kamera war, als ich sie mit in Trier hatte.

Erneut vermitteln mir die Fotos das „gewisse Etwas“. Man kennt die Diskussion, dass man es Mittelformatfotos eben ansehe, dass es Mittelformatfotos sind. Zum einen spielt da die – nachweisbar geringere – Schärfentiefe bei gleicher Blendenöffnung eine Rolle, welche in Kombination (auch und vor allem) mit einem Weitwinkel Bildeindrücke liefert, die nur schwierig mit einer Kleinbildkamera (oder gar einem kompakteren Format) erreichbar sind. Doch mein Nikkor 1.4/35 an meiner Df bietet im Grunde vergleichbare Parameter.
Oft redet man auch dem Film an sich in diesem großem Format besondere Eigenschaften an. Das gleitet aber hin und wieder ins Esoterische ab. 😉

Und dennoch, auch ich meine zu erkennen, das Mittelformat-Fotografie einen besonderen Reiz hat und Bilder produziert, die eben wie „Mittelformat“ aussehen. Es kommt allerdings auf die Situation und die Aufnahmeeinstellungen an.
Lassen Sie uns einmal vier Bilder aus Trier anschauen, die ich mit der Fuji GW690 gemacht und mit einem Epson 3200 Photo eingescannt habe. Die Fotos sind unbearbeitet (die Helligkeitsverteilung und der Kontrast müssten angepasst werden), lediglich in der Größe angepasst.

Beispiel 1:

trier_fuji690_fp4_cschouler_01

Dieses Foto hätte man auch mit einer ordentlichen Kleinbildkamera machen können. Es zeigt einen leicht weitweinkligen Bildwinkel und ist durch die Abblendung und die hyperfokale Fokussierung bis in die Tiefe scharf.

Beispiel 2:

trier_fuji690_fp4_cschouler_03

Auch dieses Foto wäre mit einer guten Kleinbildausrüstung leicht möglich gewesen. Der zweifelsohne sichtbare 3D-Effekt lässt sich auch mit Kleinbildobjektiven erzielen, die einen entsprechenden Mikrokontrast liefern.

Beispiel 3:

trier_fuji690_fp4_cschouler_02

Bei diesem Foto hingegen kommt meiner Ansicht nach schon durch, was so besonders in der Mittelformatfotografie ist: der weiche Schärfeverlauf bei dennoch sichtbarer Trennung. Die kleine Bischofs-Statue vorne ist scharf, der Herr am rechten Bildrand „fast“ scharf, auf jeden Fall schärfer abgebildet als die Personen etwas „dahinter“ und die Portra Nigra ist unscharf, ohne jedoch in einer Freistellung völlig zu verschwinden.
Die Möglichkeit mit Unschärfe über einen tiefen Bereich zu spielen, freizustellen und doch den Hintergrund erkennbar zu lassen, das ist für mich typisch für das Mittelformat.
Sicher, wer es geschickt anstellt, kann das auch mit Kleinbild erreichen. Ich habe nur den Eindruck, dass es auf einem 6×9-Negativ leichter möglich ist.

Beispiel 4:

trier_fuji690_fp4_cschouler_06

Auch hier ist – in meinen Augen – ein Mittelformat-Effekt sichtbar. Scharf abgebildet ist – ganz bewusst – nur die Pfütze vorne – erkennbar an der Struktur des Bodens. Die Personen wirken beinahe noch scharf, sind es aber nicht. Rechts ist an den Türen des „Straßen-Zuges“ der in die Tiefe des Bildes abnehmende Schärfeverlauf sichtbar, und im Hintergrund ist die Portra Nigra erneut unscharf aber wiedererkennbar. Bei der Komposition des Fotos war es mir wichtig, die Portra Nigra in der Reflektion auf dem Boden erscheinen zu lassen (was, da nur wenig Wasser ungleichmäßig verteilt war, nicht komplett möglich war).

Ineteressant ist auch, dass – je größer man einen Print dieser Fotos betrachtet, umso deutlicher dieser Effekt wird. Das ausgezeichnete Fujinon 3.5/90 der Fuji GW690 unterstützt dies durch die „Roundness“ der Abbildung, dem ausgeprägten 3D-Rendering und dem hohen Mikrokontrast maßgeblich. Unter Umständen spielt auch die im Vergleich zum digitalen Sensor etwas andere Darstellung eines S/W-Films eine Rolle, aber das ist schwer greifbar.

Ich denke auf jeden Fall wirklich, dass eine Kombination aus großen Aufnahmeformat und leistungsfähigem Objektiv Aufnahmen ermöglicht, die sonst nur sehr schwierig zu erreichen sind.

 

Blue-Light-Bokeh-Show

Hin und wieder diskutiere ich gerne in einer Facebook-Gruppe mit, die sich mit der Verwendung „alter Linsen“ an modernen Kameras beschäftigt. Das ist ja ohnehin ein Steckenpferd von mir. Einige in der Gruppe sind diesbezüglich ähnlich „alte Hasen“ wie ich, andere fangen gerade erst an, diese fotografischen Möglichkeiten für sich zu entdecken. Es freut mich sehr, wenn wieder jemand bemerkt, wie toll es sein kann, ein altes Objektiv an eine neue Digitalkamera zu stecken. 🙂

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Was ich allerdings nicht wirklich nachvollziehen kann, ist die Vorliebe von einigen dort, in jedem Bild unbedingt solche „Bokeh-Seifenblasen“ zu haben, wie sie z.B. ein Meyer Trioplan 2.8/100 typischerweise so zeichnet. Vor allem kann ich nicht verstehen, dass man über €500,- für ein gebrauchtes Trioplan bezahlt! Es ist ein einfacher Dreilinser, der früher als ebensolch ein einfaches Objektiv betrachtet wurde. Heute schwimmt es auf einer unfassbaren Hype-Welle.

Ja, es gibt durchaus Fotos, auf denen diese „Bubbles“ sinnvoll und ästhetisch gewinnbringend eingesetzt werden. Im DCC findet man ein paar gute Beispiele. Doch ganz ehrlich? Das sind die wenigsten. Meistens scheint es darum zu gehen, irgendwie die Blubberbläschen auf’s Bild zu kriegen und schon gilt das Foto als Meisterwerk. 😉
Ja, ich weiß. Ich bin jetzt ganz böse. Doch meiner Meinung nach nutzt sich dieser Seifenblasen-Effekt ebenso schnell ab wie ein Fisheye- oder ein Makro-Effekt – vor allem dann, wenn immer nur wieder Blümchen-Bilder gezeigt werden.
Und dennoch scheint alle Welt nach „Bubbles“ oder – in einem anderen Bereich – nach „Swirls“ zu schreien. Vielleicht werden die Blasen-Fans auch nur deshalb eher gehört, weil sie lauter schreien. Wer weiß?…

Da ich mir viel lieber Portraits von Menschen als von Blumen anschaue, kann ich den „Swirl“-Effekt noch verstehen und finde ihn – richtig angewendet – auch toll, da er eine Art „Kranz“ um die portraitierte Person zeichnet und so den Blick auf das Hauptsujet lenkt. Seifenblasen-Bubbles lenken aber bei einem Portrait m.E. einfach zu sehr ab. Natürlich kann man das mal nutzen, es sollte aber die absolute Ausnahme bleiben.

Nun ja, das ist natürlich nur meine Meinung. Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters und auch bei der Fotografie ist die Freiheit der Gestaltung ein sehr wichtiges Element. Friede?

Neulich jedenfalls wollte ich in der Gruppe zeigen, dass man für solche Blubberblasen eben keine €500,- ausgeben muss, sondern sich auch einfach ein Meyer Diaplan-Projektionsobjektiv kaufen kann, welches den gleichen optischen Aufbau wie das Trioplan hat und sehr ähnliche Bokeh-Highlights (denn darum geht es schließlich, nichts anderes sind diese „Bubbles“) produziert. Vor wenigen Wochen habe ich ein Diaplan für €5,- erstanden. 😉 Man muss nur noch ein wenig basteln und hat einen Trioplan-Klon (ohne Blende).
Es folgte eine interessante Diskussion, in der sich erneut die teils festgefahrenen Überzeugungen zeigten. (Ich muss ja gestehen, dass ich in meiner Ablehnung des Trioplans auch eine ziemlich feste Meinung habe. 😉 )

Das Bild, das ich dort gezeigt habe, hat mich nun veranlasst, das gleiche Motiv einmal mit unterschiedlichen Objektiven des typischen Portrait-Brennweitenbereiches (80 bis 105mm) aufzunehmen. Diese Reihe zeigt deutlich, wie „echte“ Fotoobjektive (Pentax 100 sowie Nikkor 85 und 1o5, Pentacon 100, Jupiter-9 85, Vivitar 100, Leitz Tele-Elmarit 2.8/90 und die Leica Summicrone M 2.0/90 und R 2.0/90) sowie umgebaute Projektionsobjektive (Diaplan 80, Colorplan 90 und Kiptar 100) mit Bokeh-Highlights umgehen.

Die Bilder sind jeweils mit Offenblende entstanden, was zusammen mit der Brennweite, für den unterschiedlichen Grad der Freistellung sorgte.

Und wie erwartet, schneidet für meinen Geschmack das „Diaplan“ am schlechtesten ab.
Mein persönliches Ranking sieht aus wie folgt:

  1. Leica Summicron-M 2.0/90 (mein absoluter Favorit, noch ein Quäntchen vor den Nikkoren, weil weniger Neigung zu Katzenaugen am Bildrand; ganz nah dran an der Perfektion!)
  2. (geteilt) Nikkor-H 1.8/85 und Nikkor 2.5/105 AI (beide zeigen sehr ähnlichen Charakter und sind gleichermaßen hervorragend)
  3. Leica Summicron-R 2.0/90 (ganz knapp dran an den Nikkoren, wunderbar weiche Freistellung)
  4. (geteilt) Leitz Tele-Elmarit-M 2.8/90 (etwas stärkere Tendenz zur Randbetonung dafür weniger Katzenaugen) sowie Leitz Colorplan 2.5/90 (stärkere Katzenaugen, dafür weniger Kontrast-Rand. Das Colorplan ist damit das für mich beste Projektionsobjektiv, ein echter Geheimtipp für Bastler – noch!)
  5. Pentacon Auto 2.8/100 (eigentlich ein Objektiv von Meyer Optik, das Orestor 100, allerdings in neuerer Version und daher mit „Pentacon“ gelabelt; mein Exemplar öffnet die Blende leider nicht komplett, so dass ganz leichte Sechsecke zu sehen sind, dennoch ein recht schöner Umgang mit den Highlights, deutlich besser als das „Trioplan“-Design und nahe dran am 4. Platz)
  6. (geteilt) Pentax-M 2.8/100 und Vivitar Auto 2.8/100 (gut, aber nicht so cremig wie die Nikkore; das Vivitar scharf, das Pentax sehr scharf)
  7. Jupiter-9 2.0/85 (deutliche Tendenz zum „Kringeln“)
  8. ISCO Kiptar 2.0/100 (schon mit etwas Abstand zum Pentax, nah dran am Jupiter, und mit toller Freistellung)
  9. Meyer Diaplan 2.8/80 (Blende f/2.8 und 80mm Brennweite machen das weiche Freistellen schon etwas schwerer und dann die „Bubbles“…)

Wie sehen Sie das? Ihr Ranking (und die Gründe dafür) würde mich sehr interessieren. Also, schießen Sie los. 🙂