5 Fragen, die sich ein Fotograf…

… zum Jahreswechsel stellen sollte.

Die Jungs von DigitalRevTV haben auf der MicroSite „Bokeh“ kürzlich diese Frage gestellt. Das fand ich sehr spannend.

Hier möchte ich mich dieser Fragen kurz annehmen.

  1. Habe ich mich im vergangenen Jahr als Fotograf weiterentwickelt?
  2. Welche neue Inspiration konnte ich finden?
  3. Was habe ich im letzen Jahr gelernt?
  4. Was habe ich zur Fotografie an sich beigetragen?
  5. Wie kann ich mich im kommenden Jahr verbessern?

 

Habe ich mich im vergangenen Jahr als Fotograf weiterentwickelt?

Ja, ich denke schon, aber weniger als ich es mir gewünscht hätte. Ich habe vor allem verinnerlicht, dass es nicht darum geht, Perfektion anzustreben, sondern das Besondere im Makel zu finden.

Welche neue Inspiration konnte ich finden?

Vielleicht im Widerspruch zur nächsten Antwort, haben mich einige neue Ausrüstungsgegenstände sowie für mich wiederentdeckte Formate und Medien inspiriert: einige faszinierende Objektive, Mittelformat und Sofortbild. Außerdem inspirieren mich gute Fotobücher, Vorträge und Gespräche über die Fotografie.

Was habe ich im letzen Jahr gelernt?

Ich habe gelernt, dass besseres Equipment nicht automatisch zu besseren Ergebnissen führt, dass man sich exzellent von den echten Könnern etwas abschauen kann und dass es immer wieder toll ist, sich mit Freunden über Fotografisches zu unterhalten. Obwohl, „gelernt“ ist eigentlich die falsche Vokabel, denn das wusste ich ja schon vorher. Es ist mir nur nochmals bewusster geworden.
Und ich habe meine Fähigkeiten in der S/W-Entwicklung erweitert.

Was habe ich zur Fotografie an sich beigetragen?

Nichts. Leider. Es wäre anmaßend, hier etwas zu nennen.

Wie kann ich mich im kommenden Jahr verbessern?

Erstens: fotografieren, fotografieren, fotografieren!
Zweitens: Noch mehr von den Meistern lernen.
Drittens: Endlich das Projekt C-41-Selbstentwicklung angehen.

Wie würden Sie diese Fragen beantworten?

Über Vorsätze…

Dieses Jahr habe ich ja gar keine „Vorsätze“ formuliert. Na sowas!
Andererseits, wenn ich mir meine Vorsätze vom 01.01.2015 anschaue, dann muss ich gestehen, dass ich nur 3 von den 8 erfüllt habe. Schwach, eigentlich.

Klar, habe ich auch dieses Jahr Pläne, Vorhaben, Vorsätze. Das reicht von „weniger Zucker essen“ und „intensiver Trainieren“ über „sich nicht mehr so schnell über die Ignoranz anderer ärgern“ bis hin zu einigen fotografischen Projekten, deren Verwirklichung nun wirklich in den Sternen steht.

Im Grunde lässt sich aber alles, was ich mir vorgenommen habe, auf einen Punkt zusammenfassen: Alles versuchen, um jeden Tag glücklich ins Bett zu gehen.

Da ich inzwischen genug Lebenserfahrung habe, um zu erkennen, was mir genau das ermöglicht, liegt mein Ziel darin, genau dies zu versuchen.

Was haben Sie sich vorgenommen?

„Kamera des Jahres“ … Rückblick

OK, dieser Artikel wird was für die echten Freaks, nur was für Hartgesottene. Die Idee kam mir heute morgen – vermutlich war ich noch nicht ganz wach.

Ich fotografiere ja schon deutlich länger als ich diesen Blog betreibe. Von daher schaue ich jetzt einmal zurück auf die Jahre vorher und erinnere mich an meine „Kameras des Jahres“ von früher.

Von 1989 bis 1999 gab Ricoh_35-70es jedes Jahr nur eine „Kamera des Jahres“: meine Ricoh KR-10x. Eine andere hatte ich nicht. 😉

Diese Kamera habe ich heute noch und sie funktioniert noch prächtig! Bin gespannt, ob ich sowas auch von den Kameras schreiben kann, die ich heute so nutze.

dc240iIn den Jahren 2000 und 2001 war meine Kamera des Jahres eine Kodak DC240i, die meinen Einstieg in die digitale Fotografie bedeutete. Mensch, was war das damals ein tolles Erlebnis! Mit dieser Kamera habe ich unseren Besuch auf der EXPO2000 dokumentiert, in VGA(!), weil die Speicherkarten so teuer waren.

dimage7In den Jahren 2002 und 2003 hieß meine Kamera des Jahres Minolta Dimage 7.

Welch ein Schritt nach vorne! Das ging schon in Richtung „Profi-Modell“ mit einem tollen Objektiv. Leider war der AF grottig und der Stromverbrauch exorbitant!

 

lumixfz20Ein wenig schneller und vor allem mit viel mehr Tele 😉 war meine Kamera der Jahre 2004 und 2005 ausgestattet: die Panasonic Lumix FZ20.

Die fand ich richtig toll, wenn bloß nicht das schlechte Rauschverhalten ab ISO400 den Eindruck ein wenig getrübt hätte.

Der Wahnsinn ging dann im Jahre 2006 los. Unser erstes Kind wurde geboren und da brauchte der Papa „natürlich“ eine DSLR.sigma1770

Die Canon EOS 350D war meine Kamera der Jahre 2006 und 2007. Es war meine erste digitale Spiegelreflexkamera und ich habe sie noch heute in ausgezeichneter Erinnerung. Sie hat einfach zu mir gepasst.
Als ich zudem entdeckte, dass man zahlreiche alte, manuelle Objektive an eine EOS adaptieren kann, gab es kein Entrinnen mehr. Dieser Kamera habe ich endgültig meine Begeisterung für alles, was mit Fotografie zu tun hat, zu verdanken. Ich könnte auch im Dialekt meine Opas schreiben: „Sie ist in Schuld!„. 😉

40d1785Meine Kamera des Jahres 2008 war (beinahe logischerweise) die Canon EOS 40D.
Sie konnte alles noch einen Ticken besser als die 350D und war vor allem als semi-professionelle Kamera robuster verarbeitet. Und dennoch schlich sie sich nie so tief in mein Herz wie die 350D. Woran das auch immer gelegen haben mag.

5dtoki2870Auch meine Kamera des Jahres 2009, die Canon EOS 5D (die erste Version), die ich mir nur gebraucht leisten konnte und die mir zum ersten Mal das Fotografieren auf einem Sensor in Kleinbildgröße ermöglichte, hat mich, so toll sie auch war (und immer noch ist), ebenfalls nie komplett gefesselt. Natürlich war der Bildeindruck gerade mit den manuellen Linsen am KB-Sensor ein anderer, aber ich war ein wenig enttäuscht, dass meine Fotos nicht wirklich „besser“ waren als mit der 350D.

Im Jahr 2010 gab es plötzlich eine spannende Entwicklung. Ich nutzte die EOS 40D, die EOS 5D, ein paar kompakte Digiknipsen und eine Pentax K100D fast gleich häufig, doch diese Pentax war es, die mich am meisten inspirierte. Verrückt, oder? Daher muss ich die kleine Pentax-DSLR als Kamera des Jahres 2010 bezeichnen. Später tauschte ich sie gegen die Fuji S2 Pro meines Vaters, dem die große Fuji zu schwer wurde. Mein Vater hat dann noch liebend gerne mit der K100D fotografiert.

Meine Kamera des Jahres 2011 war meine erste spiegellose Systemkamera: die Sony NEX-3. Diese kleine Sony, die mir noch auf der Photokina 2010 gar nicht so sehr zusagte, eröffnete gerade für mich als „manuellen Adpatierer“ völlig neue Möglichkeiten.

Ihr große Schwester, die Sony NEX-7, war dann meine Kamera des Jahres 2012. Hui, die war richtig gut! Schnell, tolle Bildqualität, kompakt und überaus vielseitig.
Und doch, irgendwie haftete den Sony NEX Modellen stets der „Playstation-Charakter“ an. Mich erinnerten sie in der Bedienung eher an ein Computerspiel als an eine Kamera. Richtig benennen konnte ich das aber erst als ich zum ersten Mal meine Kamera des Jahres 2013 in den Händen hielt: die Fuji X-E1.
Die Fuji konnte all das, was die Sonys auch konnten, sie musste aber bedient werden wie eine Kamera und sah zudem noch umwerfend gut aus. Kein Wunder also, dass sie meine Favoritin war.

Ab 2014 habe ich dann hier im Blog meine Jahres-Besten-Listen veröffentlicht…

Ausrüstung des Jahres 2015

Ja, auch in diesem Jahr möchte ich eine ganz persönliche Zusammenstellung präsentieren von Ausrüstungsgegenständen, die mich im zu Ende gehenden Jahr besonders beeindruckt haben.

Diesmal wird die Liste der Kategorien aber etwas anders sein, denn zu einigen der Sparten vom letzten Jahr könnte ich von keinen neuen Erfahrungen berichten. Zudem werde ich keine eigene Liste über Dinge, die ich nicht habe, sondern nur nutzen konnte, erstellen. Geliehene Sachen erhalten einfach einen eigenen „Bullet Point“ in der 2015er Liste.

Ich werde also schreiben über:

  1. Meine Digitalkameras des Jahres
  2. Meine analogen Kameras des Jahres
  3. Meine AF-Objektive des Jahres
  4. Meine manuellen Objektive des Jahres
  5. Meine Kamerataschen des Jahres
  6. Meine Fotobücher des Jahres
  7. Mein Zubehör des Jahres
  8. Geliehene Sachen, die mich überzeugen konnten

Nach und nach werde ich die einzelnen Bereiche abarbeiten und hier veröffentlichen. Bleiben Sie also dran…

 

Der Zauber des Imperfekten…

… die Ästhetik des Fehlers.

Ich erwische mich immer öfter dabei, ein Bild, das auf der Suche nach Perfektion gemacht wurde, eher langweilig zu finden. Fotos, die strikt (und man mag sagen unflexibel) den altbekannten „Regeln“ folgen, wirken zwar harmonisch aber oft auch zu glatt gebügelt. Sie haben selten Kanten, an denen ich mich stoßen kann, die mich aber länger in der Betrachtung verweilen lassen.
Das soll nicht heißen, dass ich Fotos, die von Kompositionsfehlern nur so strotzen bevorzuge oder dass jedes Bild bei mir unscharf sein muss. Absolut nicht! Doch wenn ein Foto sehr ausdrucksstark ist, stört mich eine leichte Unschärfe nicht.

Hier ist das Verwischen ein maßgeblicher Bestandteil der Bildwirkung.
Hier ist das Verwischen ein maßgeblicher Bestandteil der Bildwirkung.

Ebenso wenig muss ein Gesicht auf einem Portrait immer im Goldenen Schnitt liegen, nein, es kann auch zentral passen.

Aufgrund der besonderen Dynamik des Ausdrucks hier war es für mich geradezu unabdingbar, das Gesicht zentral zu positionieren.
Aufgrund der besonderen Dynamik des Ausdrucks hier war es für mich geradezu unabdingbar, das Gesicht zentral zu positionieren.

Gleiches gilt natürlich nicht nur für Portraits:

Das Riesenrad ist ja total mittig. Ja, und? Warum denn auch nicht?
Das Riesenrad ist ja total mittig. Ja, und? Warum denn auch nicht?

Muss denn das eigentlich zu erwartenden Hauptsujet immer scharf angebildet sein? Nein, keineswegs, denn nicht die Personen sind der Kernpunkt dieses Bildes sondern die Bank.

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Und eine korrekte Belichtung des Sujets kann durch eine hochkontrastiges Spiel von Licht und Schatten ersetzt werden:

Die Personen sind eigentlich zu dunkel, aber mit war hier das Gegenlicht und der Schattenwurf viel wichtiger.
Die Personen sind eigentlich zu dunkel, aber mir war hier das Gegenlicht und der Schattenwurf viel wichtiger.

Manchmal ist gerade der Aspekt eines Fotos, den andere bemängeln würden, für mich der interessanteste.
Nichts für Ungut, aber der 10.000ste perfekt nach den Regeln belichtete und komponierte Sonnenuntergang ruft bei mir nur ein gelangweiltes Gähnen hervor und das 50.000 Blümchen aus dem eigenen Garten – sei es auch noch so hübsch – lässt mich ganz schnell weiterblättern, -scrollen oder -klicken.

Lobsien, Olk und Münchberg schreiben in ihrer Abhandlung „Vollkommenheit: ästhetische Perfektion in Antike, Mittelalter und früher Neuzeit“ (2010): „[Es] ist der formale Imperativ nicht die Annäherung an Perfektion, sondern das Prinzip der varietas, die Mischung von […] Durchgeistigtem und Grobem, von niederem und hohem Stil […] Es entspricht dieser Option für die Imperfektion des Irdischen […]“ (S. 115)*

Ein kleiner Teil, der rauh, grob oder regelbrechend daherkommt und sich ins Bild einschleicht, weckt Interesse und Aufmerksamkeit beim Betrachter. Auf Fotos kann das auch eine Vignettierung sein oder ein Filmkorn. Beides ist in der Lage den Eindruck von Authentizität zu erhöhen. Ich entwickle meine S/W-Filme eigentlich nie in Richtung FineArt, sondern immer kontraststark und mit deutlichem Korn (also etwas länger und in etwas wärmeren Entwickler als gemeinhin empfohlen).

Dieses Foto (es ist nur ein starker Ausschnitt) meiner Frau finde ich großartig, obwohl es in diesem Crop objektiv für ein Portrait ein zu starkes Korn zeigt. Ihr zauberhaftes Lächeln wird davon aber nicht beeinträchtigt.

Niki

Das Korn erzählt vielmehr für mich von der Situation, in der ich das Foto gemacht habe – ein völlig spontaner „Schappschuss“ in unserem Esszimmer, im Halbdunkeln durch die Rollos von der hell scheinenden Sonne draußen abgeschattet. Die Kinder spielten im Garten und wir scherzten und alberten herum, als ich sie lachen sah und schnell die Kamera nach oben riss, um das Foto zu machen.

Wie hier im Blog bereits beschrieben, bin ich Amateur im eigentlichen Sinne. Ich fotografiere, weil es mir unglaublich viel Spaß macht. Ich muss keine Fotos machen, die meinem Auftraggeber zusagen, sondern kann die machen, die mir gefallen. Da sehe ich mich in einer überaus luxuriösen Lage. Doch auch Profis, die selbstbewusst genug sind, hier und da die Dinge so durchzuziehen, wie sie es möchten, begeben sich gelegentlich genau dort hin: so wie Paul Ripke bei der WM – für mich eines der besten Fotobücher der letzten Jahre. Man sieht den Bildern an, dass Ripke diese Momente ebenso magisch fand wie wohl alle deutschen Fußballfans und sein Tun dort einfach nur genossen hat! **

Sicherlich wagt man sich, wenn man solch einen Weg, den Pfad des „es-muss-mir-gefallen“ geht, in unsicheres Terrain. Man setzt sich offener der Kritik anderer aus als man es tut, wenn man sich an „die Regeln“ hält. Doch schon Umberto Eco, den ich sehr verehre, schreibt in seinem Buch „Die Geschichte der Schönheit“ (2004):

„Das, was schön ist, wird durch die Art und Weise definiert, in der wir es erfahren, und man analysiert das Bewußtsein [sic!] desjenigen, der ein Geschmacksurteil äußert. Die Diskussion über das Schöne verschiebt sich von der Suche nach Regeln zu seiner Hervorbringung […] zur Betrachtung der Wirkungen, die es hervorruft […]“ (S. 275)

Seit dem 18. Jahrhundert gilt, gemäß Eco, dass die „Rechte des Subjekts die Erfahrung des Schönen völlig zu definieren beginnen“ (ebd.). So sehe ich das auch für meine Fotografie.

Regeln sind eine nützliche Sache, wenn man anfängt, sich mit gestalterischen Elementen zu befassen. Es sollte aber der Zeitpunkt kommen, an dem man – die Regeln kennend – sich bewusst von ihnen entfernt, um durch eine kleine Imperfektion dem „Auge was zu kucken“ zu geben (wie es Freund von mir neulich so treffend formulierte).
Nicht ohne Grund finden viele Fotografen gelegentlich den Weg zurück zum analogen Bild, nicht ohne Grund lebt die Lomographie wieder auf, nicht ohne Grund sind Retro-Apps bei Handy-Fotos so beliebt. An der Goethe-Uni Frankfurt läuft dazu derzeit sogar ein Dissertations-Projekt: „Zur Ästhetik des Imperfekten. Analoge Artefakte, digitale Simulakren und  die Re/Auratisierung des Virtuellen„.

„So denn“, mag man ausrufen: „macht euch ans Werk!“
Zücken Sie die Kameras, ganz gleich ob analog oder digital und zeichnen Sie die Wirklichkeit auf so wie Sie sie sehen und nicht, wie andere es Ihnen sagen. Dabei wünsche ich viel Mut und ganz viel Spaß!

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* Lobsien,Olk und Münchberg beziehen das zwar auf die Werke von Baccaccio und Dante, mir scheint das aber auch für die Ästhetik der Bildsprache treffend.

** Auch Ben Bernschneider zieht „sein Ding“ durch.

P.S.: Beim „Weltenschummler“ habe ich einen sehr netten Artikel gefunden, der sich auch mit diesem Thema beschäftigt.

Mittagspause im Vor-Frühling

Ich lebe und arbeite nicht in einer Stadt. Im Grunde finde ich das toll, doch manchmal sehne ich mich nach den Motiven, die eine Stadt bietet. Zur Hälfte arbeite ich zwar an der Uni in Marburg, doch die PhilFak liegt nicht eben im Stadtkern, so dass ich nur selten in der Mittagspause (so ich denn überhaupt eine vernünftige habe) den Weg dorthin finde.

Neulich aber – es sind ja gerade Semesterferien – musste sollte wollte ich zu einer Arbeitsgruppen-Sitzung auf der es um anstehende Veröffentlichungen ging. Und da ich an just diesem Tag etwas früher aus der Schule (meine andere halbe Stelle) kam, nutze ich die Gelegenheit, packte  – neben den Sitzungsutensilien wie Füller, Kugelschreiber, Marker und Moleskine-Notizbuch – meine Df mit einem 1.8/20, einem 1.8/50 und einem 2.8/90 in die wunderschöne Dothebag und fuhr deutlich zu früh in die Stadt, um meine Mittagspause in der Vor-Frühlingssonne zu genießen.

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Fotografiert habe ich dann doch nicht so viel, wie ich eigentlich wollte, denn es ergab sich, dass ich mich -völlig spontan – auf einen schnellen Kaffee mit einem sehr guten Freund traf, der momentan (und Gott sei Dank nur vorübergehend) sozusagen in drei Jobs arbeitet und daher so gut wie nie Zeit für sowas hat. Der Nachmittag begann also unverhofft gut. Da sich die Sitzung als äußerst effizient herausstellte (was man als Lehrer von Konferenzen nicht wirklich gewohnt ist), ging der Tag ebenso gut weiter. Ich konnte anschließend sogar noch in mein Lieblingscafé, in die Bohne. Zeit zu haben, ist ein echter Luxus.

Und ein klein wenig habe ich dann doch noch fotografiert:  😉

Wieder einmal bleibt der Gedanke, dass man das Notwendige mit dem Angenehmen verknüpfen sollte und zwar viel öfters als man das gemeinhin macht.

 

Fotoforen – Boom oder Nachhaltigkeit?

Am Anfang war das Internet mehr oder weniger eine neue Möglichkeit, seinen Computer zu benutzen. Es grenzte schon an ein Abenteuer, sich auf die Suche durch die diversen Web-Kataloge (Wer kennt dieses Wort noch?) zu machen. Später bekam man dann die Gelegenheit, eine eigene Website („Homepage“ greift nicht weit genug) zu basteln. Boah, war das spannend, die ersten Zeilen in HTML zu „programmieren“, das ganze dann per FTP auf den eigenen Bereich des Servers zu laden und die eigenen Seiten im Browser betrachten zu können. Mir gab damals als Student die Uni meinen ersten Serverplatz. Man fühlte sich schon ein wenig exklusiv. 😉 Denn sooo viele hatten damals keine eigene Website.

Aus Web 1.0 wurde Web 2.0 und damit ersetzte die Mitgestaltung an Websites die mehrheitliche Rezeption. Die Foren wurden groß und jedes Mitglied sorgte durch die Posts automatisch für einen wachsenden Content. Es gab die „Admins“, die beinahe absolutistischen Herrscher eines Forums, die „Mods.“, sowas wie Anstandsdamen und schließlich die „User“, die sich in „Alte Hasen“ und „Newbies“ (und mehrere Zwischenstufen) einteilten. Manchmal nahmen die „Moderatoren“ ihren Job nicht so genau und so wurde in einigen Foren beschimpft und beleidigt auf dass sich die Balken bogen. Aus solchen Foren bin ich dann ganz schnell wieder raus.

Dennoch habe ich die Diskussionen und den Austausch mit Gleichgesinnten, den die Fotoforen sehr leicht möglich machten, immer gemocht und war daher auch in mehreren guten Foren aktiv. Um einmal einige zu nennen, hier eine (gar nicht so) kurze Liste:

  • www.digicamclub.de (Ein Forum, welches ich beinahe vom Start weg schon über 10 Jahre lang begleitet habe, das sich durch einen Besitzerwechsel sehr zum Thema „manuelle Objektive“ verschoben hat und für diesen Bereich zumindest im deutschsprachigen Raum mit Abstand führend ist. Nirgendwo sonst findet man so viel Informationen zum Thema „Adaptieren von manuellen Objektiven“. Es sind viele überaus nette Fotografen dort, die sich auch zu gelegentlichen Usertreffen zusammenfinden.)
  • forum.mflenses.com (Früher einmal DAS englischsprachige Forum zum Thema „manuelle Objektive“. Inzwischen ist es dort deutlich ruhiger geworden, weil sich die beiden Chef-Admins – von denen einer ein guter Freund von mir geworden ist – ein wenig zurückgezogen und neu orientiert haben.)
  • www.l-camera-forum.com/leica-forum (Ein Forum für Leica-Fans. Das braucht man als „Leicaner“ auch, weil man sonst nirgendwo so viele Leute finden kann, die den eigenen Leica-Wahnsinn nachvollziehen können. 😉 Ich habe über dieses Forum viele sehr nette Menschen kennengelernt, von denen ich manche sogar zu meinen Freunden zähle.)
  • www.rangefinderforum.com (Ein englischsprachiges Forum für Freunde von Messsucherkameras, die sich dort auch treffen, um sich mit Gleichgesinnten – die ja gar nicht so häufig sind – auszutauschen. Was dort auffällt sind zwei Dinge: zum einen kommt man eher schwer in den „inneren Kreis“ hinein, zum anderen aber ist das Diskussionsniveau überdurchschnittlich hoch.)
  • www.dslr-forum.de (Eines der größten Fotoforen, mit dem Schwerpunkt der digitalen Spiegelreflexfotografie. Die Diskussionen dort ufern nicht selten aus, so dass ich mich nur sporadisch beteilige. Hier findet man häufig genau das, was auf signalrauschen.de so treffend beschrieben wird. 😉  Allerdings ist der Verkaufsbereich einer der größten in der Fotoforenwelt und man findet viele gute und faire Angebote.)
  • www.systemkamera-forum.de (Ein Forum speziell für die Benutzer von spiegellosen Systemkameras. Zu meinen NEX-Zeiten war ich öfters dort, inzwischen nur noch selten.)
  • www.fuji-x100-forum.de (Gestartet als Forum für die Fuji X100, ist es inzwischen zum Forum für das gesamte Fuji-X-System geworden. Dort bin ich schon länger angemeldet, aber erst aktiv, seitdem ich Bekannte aus anderen Foren dort wiedergetroffen habe.)
  • www.nikon-fotografie.de (Das wohl wichtigste Forum für Nikon-Fotografen. Dort bin ich selbst erst ein „Newbie“, weil ich ja erst den Systemwechsel zu Nikon vollzogen habe.)

Mittlerweile bin ich bei weitem nicht mehr so forenaktiv wie noch vor einigen Jahren. Mir scheint, der Foren-Boom hat sich wieder etwas gelegt und nimmt weiterhin stetig ab. Mehr und mehr verschiebt sich die Aktivität von Fotografen in die sozialen Netzwerke und zu eigenen Weblogs.

Warum ich die fotocommunity nicht erwähne, obwohl sie doch das größte und erfolgreichste Forum überhaupt ist? Weil ich mich dort, obwohl ich angemeldet war (bin), nie so richtig wohl gefühlt habe. Das Grundprinzip bestand darin, seine Fotos zu zeigen und sich dann sowas wie Netzwerke aufzubauen, innerhalb derer man sich gegenseitig beweihräucherte und seine Fotos pushte. Es tut mir leid, wenn ich jetzt jemanden auf die Füße trete und womöglich habe ich das falsch wahrgenommen, doch so kam es für mich rüber. Außerdem habe ich damals nicht verstanden, warum ich für eine ausgedehnte Nutzung bezahlen soll, wo doch die meisten anderen – zumindest für einen völlig ausreichenden Basisbereich – kostenfrei sind.

Wie zeichnet sich ein gutes Forum aus? Man findet dort nette und anständige Menschen, die bereit sind schnell und zielgerichtet zu helfen. Und wenn es dann noch zu angenehmen Usertreffen kommt, hat man das richtige Forum gefunden.

Ich bin aber wirklich gespannt, wie lange sich die Forenszene insgesamt noch halten wird. Es wird sich kaum vermeiden lassen, dass sie an Durchsatz und Bedeutung verliert. Aber ganz verschwinden werden die Foren hoffentlich nicht, es wäre sehr schade drum.