OK, niemand hat behauptet, dass Retro-Kameras immer Kameras aus der Oberklasse sein müssen. Obgleich sie das zweifelsohne oft (vielleicht sogar meistens) sind – alleine schon, weil das vergleichsweise aufwändige Design sich bei eher preisgünstigen Kameras kaum rechnet und vermutlich auch, weil diejenigen, die Retro-Kameras ansprechend finden auch diejenigen sind, die bereits sind, etwas mehr für eine Kamera auszugeben – so findet man doch hier und dort eine Kamera, die dem Retrolook folgt aber dennoch eher zu den, nun sagen wir „einfachen“ Kameras gehört. (Hui, was für ein Satz!)
Eine dieser preisgünstigen Retro-Kameras möchte ich hier nun vorstellen. Es handelt sich um die Yashica EZ F521 Digital:
Es wird jeder zustimmen, sie sieht aus wie eine klassische Messsucher-Kamera, ein wenig wie eine Konica Hexar, die mir als eine der ansehnlichsten Kameras in Erinnerung ist.
Doch die kleine Yashica schummelt! Das Messsucherfenster ist keines, sondern ein Blitz. Immerhin ist der Sucher ein echter und man kann in der Tat hindurch schauen. Das Wählrad dient nicht zur Wahl der Belichtungszeit, sondern ermöglich es, zwischen dem Filmmodus, der Wiedergabe und dem Fotomodus umzuschalten. Es befindet sich außerdem der Ein-Aus-Schalter und der Auslöser auf der Oberseite der Kamera.
Die Steuerelemente hinten sind auch rudimentär gehalten. Das Steuerkreuz hat nur Basisfunktionen (Blitz, Selbstauslöser, Anzeigemodus und OK), die kleinen Knöpfe bringen den Benutzer ins Menü, löschen Fotos oder vergrößern bzw. verkleinern die Anzeige. Immerhin lassen sich einige Parameter im Menü einstellen (z.B. Weißabgleich, Farbfilter usw.)
Das Fix-Fokus-Objektiv bietet eine Blende und einen „Objektivring“ mit dem man zwischen normalen und Makro-Fotos umschaltet.
Auch wenn die kleine F521 aussieht wie eine Messsucherkamera, so tut sie das nur auf Fotos. Wenn man sie in der Hand hält, erkennt man sofort den Unterschied, vor allem in Größe und Gewicht. Hier einmal ein direkter Vergleich der Yashica mit der einer Leica M8:
Wie der Aufdruck anzeigt, erhält man von der Kamera Bilder mit 5 MegaPixel Auflösung. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob wirklich ein 5 MPix-Sensor verbaut wurde oder ob nicht interpoliert wird. Das spielt aber letztendlich auch keine Rolle, denn entgegen ihres Aussehens, liegt das Einsatzgebiet der F521 nicht dort, wo man normalerweise Messsucherkameras verwenden würde. Diese kleine Yashica könnte man viel eher als „digitale Holga“ bezeichnen – und genau dies wird auch im Internet oft gemacht (siehe Links unten).
Die Bildqualität ist nicht mit der einer hochklassigen (älteren) 5 MegaPixel-Kamera vergleichbar und das will sie auch gar nicht sein. Der Sensor liest zeilenweise ab und zwar in einer Geschwindigkeit, die es dem Fotografen ermöglicht während der Aufnahme die Ausrichtung der Kamera zu ändern und so absolut verrückte Effekt zu erzielen.
Ich muss gestehen, die kleine F521 kann richtig Spaß machen. Genau so, wie eine Holga Spaß machen kann, wenn man sich auf die sehr „speziellen“ Ergebnisse einlässt. Und bei der digitalen Yashica hat man nicht einmal die Filmkosten im Hinterkopf, sondern fotografiert munter drauf los bis die die AAA-Akkus leer sind oder die SD-Karte voll ist (vermutlich aber eher ersteres).
Das Team von DigitalRev TV (deren Clips ich sehr unterhaltsam finde) hat einmal einem Profi-Fotografen die Aufgabe gestellt, mit dieser Kamera zu fotografieren: >> Klick…
Hinter den folgenden Links findet man weitere Artikel über die Yashica EZ F521:
Instant nature · Yashica EZ F521 (Digital Holga)
Camera Of The Week #1: The Yashica EZ F521 „Digital Holga“
Yashica EZ F521 isn’t a digital Holga, but it’s close
Pingback: Das Ende einer Ära… | RetroCamera.de