Geliehene Sachen, die mich im Jahr 2015 überzeugen konnten

Was soll das denn für eine Kategorie sein? „Geliehene“ Sachen? Wieso „leiht“ mir überhaupt jemand Sachen aus?
Nun, dieses „leihen“ muss großzügig verstanden werden. Manchmal sind es Dinge, die ich für eine Weile hier habe, manchmal welche, die ich nur für 15 Minuten „begrabbeln“ darf. Hier sind es Objektive, die ich mal für eine Stunde an meine Kameras stecken darf, dort Kameras, mit denen ich meine Objektive ausprobieren kann. Also, in diese Kategorie fällt alles, das ich mal nutzen durfte, das mir nicht gehört und das mich ziemlich begeistert hat.

Im Jahr 2015 waren das – und das schreibe ich nun auch auf die Gefahr hin, als „Fan-Boy“ bezeichnet zu werden – folgende Kameras:

Die Leica M7.
Sie gehört zu einer ganzen, wundervollen Sammlung aus Leica und Hasselblad-Sachen, die ich zur Zeit für eine nette Bekannte verkaufte und da ich ja nichts verkaufen kann, von dem ich nicht weiß, ob es noch ordnungsgemäß funktioniert, darf ich all die feinen Dinge ausprobieren, was wiederum eine tolle „Entlohnung“ für einen Kamerafreak wie mich ist. Natürlich tut es irgendwo weh, dieses Equipment nur ausprobieren und nicht behalten zu dürfen, doch es sind entweder Dinge, die ich selbst auch besitze (28er, 50er, 90er)oder die nicht in meine Sammlung passen (Hasselblad, Leica R, Shift-Objektiv) oder die preislich über dem liegen, was ich für „Spielsachen“ auszugeben bereit bin. Zur letzteren Gruppe gehört die M7, da sie in absolut neuwertigem Zustand bei mir war.
Ich weiß wirklich nicht, warum einige Leica-Fans etwas naserümpfend über die M7 reden. Nur weil sie eine Zeitautomatik hat? Was soll denn daran schlimm sein? Weil dadurch die Zeiten elektronisch dargestellt werden müssen und nicht rein mechanisch gebildet werden können? Die nötigen Batterien gibt es in jeder Stadt zu kaufen und außerdem gibt es zwei „Notzeiten“ für den Katastrophenfall. Wie auch immer, die M7 ist eine wunderbare Kamera, welche mir sehr gut gefallen hat.

Die Leica SL.
Die allerneueste Leica-Kamera konnte ich bisher leider nur kurz, während den Leica Akademie Erlebnistagen ausprobieren, aber das hat gereicht, meine vorläufige, durch Abbildungen geprägte Meinung gründlich zu revidieren. Sie ist exzellent verarbeitet, liegt gut in der Hand, hat einen schnellen AF und einen unglaublichen elektronischen Sucher! Selbst ich, der durch mehrere ausgezeichnete Systemkameras, wie der Fuji X-T1, was Sucher betrifft verwöhnt ist, musste zugeben, dass dies der beste EVF ist, durch den ich bisher geschaut habe. Man kann das Bild kaum noch von einem hochwertigen optischen Sucher unterscheiden. Leider beeindruckt der Preis der Kamera ebenso wie die Kamera selbst. Doch es ist müßig bei Leica über Preise zu reden. Man kann und will sie bezahlen oder eben nicht.

Die Leica Q.
Diese Kompaktkamera (die nicht wirklich sonderlich kompakt aber immer noch sehr portabel ist) konnte ich zweimal antesten, erst kürzlich wieder während eines Nachmittags mit einem sehr guten Freund, der sie sich kurz davor gekauft hat. Auch für die „Q“ gilt fast das gleiche, was ich bereits zur „SL“ geschrieben habe. Wenn man sie in der Hand hält, weiß man, dass sie zur Leica-Familie gehört (was mir beispielsweise bei der Leica T oder bei den Kameras der X-Serie nicht so gegangen ist).
Jedem, der sich eine „Q“ leisten kann und sich selbst (und seine/n Lebensgefährten/in) davon überzeugen kann, eine zu kaufen, den kann ich nur zu einer Kamera beglückwünschen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit überaus inspirierend wirken wird.

Drei bemerkenswerte „Begrabbel“-Erlebnisse, dreimal Leica. Ich möchte mich bei allen Fans anderer Marken entschuldigen und gelobe feierlich, dass ich KEIN „Fan-Boy“ bin, sondern durchaus bereit und willig, die Firma Leica und ihre Produkte zu kritisieren. Aber was soll ich machen? Wenn es drei Leica-Kameras waren, die mich im vergangenen Jahr am meisten beeindruckten (zumindest von denen, die nicht mir gehören), dann ist das eben so.

Und um dem Ganzen einen versönlichen Abschluss zu geben, ergänze ich diese Liste um ein Objektiv, das mich auch „aus den Socken gehauen“ hat, das ebenfalls (leider) nicht mir gehört und das – Überraschung! – NICHT von Leica ist. Auch nicht von Nikon. Sondern von Sigma! Ich meine das Sigma 1.4/50 DG HSM „Art“. Leider ist dieser Klotz, denn das ist das Objektiv, das einzige der neuen „Art“-Reihe von Sigma, mit dem ich bisher fotografieren durfte, an meiner Nikon Df. Holla! Ich muss sagen, das Teil ist extrem gut. Als ich neulich hörte, dass das 35er noch besser sei, konnte ich das kaum glauben. Ich finde es ist Zeit, dass ich Sigma einmal anschreibe und sie um ein paar Leih/Testexemplare bitte. Was denken Sie?

Hiermit endet mein Ausrüstungs-Rückblick. Ich hoffe, Sie hatten beim Lesen ebenso viel Spaß wie ich beim Schreiben.

Alles Gute für 2016!

 

 

Mein Zubehör des Jahres 2015

Ach je, da war ich aber mutig. Es fällt mir überaus schwer, „mein Zubehör des Jahres“ zu finden. Ich habe unzählige Sachen genutzt, doch kaum etwas hat sich derart in den Vordergrund geschoben, als dass es nun solch eine Liste anführen könnte. Mensch…

Die Barton1972- und andere Gurte, meine Neopren-Handschlaufe, diverse kleine Taschenlampen, Adapter über Adapter, Reinigungs-Utensilien, Akkus und Ladegeräte, Leder-Half Cases, metallene Streulichtblenden, Spaß-Linsen (wie die von Holga oder die Shift-Lens-in-a-Cap), Fokussierschnecken für DIY-Projekte, Kabelauslöser, Soft-Release-Buttons, Objektivbeutel, Blitzlichter und Fernsteuerungen, das WLAN-Modul für die Nikon Df und, und, und…

Drei besondere Zubehörteile möchte ich aber dennoch hervorheben und diese sind dann sozusagen mein „Zubehör des Jahres 2015“.

Zum einen die Filmbox vom Japancamerahunter, weil sie echt praktisch und clever ist. Daher landet sie auf dem 3. Platz.

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Den 2. Platz erreicht meine herzallerliebste Stativ-Kombo aus Benro C-168M8 und Novoflex MagicBall Mini. Leicht, stabil, exzellent verarbeitet. Einfach perfekt zum „Immer-dabei-haben“.

Sieger und damit auf dem 1. Platz, der Sekonic L-508 Belichtungsmesser, den ich schon etwas länger habe, der aber erst durch den Kauf der Fuji GW690 (die ja keinen internen BeLi hat) intensive Verwendung gefunden hat. Ein Wahnsinns-Teil!

Wenn man ein Handy als Zubehör klassifizieren könnte, dann müsste natürlich mein Sony Xperia Z3 hier genannt werden. Dieses Teil ersetzt eine kompakte Digiknipse völlig.

 

„Kamera des Jahres“ … Rückblick

OK, dieser Artikel wird was für die echten Freaks, nur was für Hartgesottene. Die Idee kam mir heute morgen – vermutlich war ich noch nicht ganz wach.

Ich fotografiere ja schon deutlich länger als ich diesen Blog betreibe. Von daher schaue ich jetzt einmal zurück auf die Jahre vorher und erinnere mich an meine „Kameras des Jahres“ von früher.

Von 1989 bis 1999 gab Ricoh_35-70es jedes Jahr nur eine „Kamera des Jahres“: meine Ricoh KR-10x. Eine andere hatte ich nicht. 😉

Diese Kamera habe ich heute noch und sie funktioniert noch prächtig! Bin gespannt, ob ich sowas auch von den Kameras schreiben kann, die ich heute so nutze.

dc240iIn den Jahren 2000 und 2001 war meine Kamera des Jahres eine Kodak DC240i, die meinen Einstieg in die digitale Fotografie bedeutete. Mensch, was war das damals ein tolles Erlebnis! Mit dieser Kamera habe ich unseren Besuch auf der EXPO2000 dokumentiert, in VGA(!), weil die Speicherkarten so teuer waren.

dimage7In den Jahren 2002 und 2003 hieß meine Kamera des Jahres Minolta Dimage 7.

Welch ein Schritt nach vorne! Das ging schon in Richtung „Profi-Modell“ mit einem tollen Objektiv. Leider war der AF grottig und der Stromverbrauch exorbitant!

 

lumixfz20Ein wenig schneller und vor allem mit viel mehr Tele 😉 war meine Kamera der Jahre 2004 und 2005 ausgestattet: die Panasonic Lumix FZ20.

Die fand ich richtig toll, wenn bloß nicht das schlechte Rauschverhalten ab ISO400 den Eindruck ein wenig getrübt hätte.

Der Wahnsinn ging dann im Jahre 2006 los. Unser erstes Kind wurde geboren und da brauchte der Papa „natürlich“ eine DSLR.sigma1770

Die Canon EOS 350D war meine Kamera der Jahre 2006 und 2007. Es war meine erste digitale Spiegelreflexkamera und ich habe sie noch heute in ausgezeichneter Erinnerung. Sie hat einfach zu mir gepasst.
Als ich zudem entdeckte, dass man zahlreiche alte, manuelle Objektive an eine EOS adaptieren kann, gab es kein Entrinnen mehr. Dieser Kamera habe ich endgültig meine Begeisterung für alles, was mit Fotografie zu tun hat, zu verdanken. Ich könnte auch im Dialekt meine Opas schreiben: „Sie ist in Schuld!„. 😉

40d1785Meine Kamera des Jahres 2008 war (beinahe logischerweise) die Canon EOS 40D.
Sie konnte alles noch einen Ticken besser als die 350D und war vor allem als semi-professionelle Kamera robuster verarbeitet. Und dennoch schlich sie sich nie so tief in mein Herz wie die 350D. Woran das auch immer gelegen haben mag.

5dtoki2870Auch meine Kamera des Jahres 2009, die Canon EOS 5D (die erste Version), die ich mir nur gebraucht leisten konnte und die mir zum ersten Mal das Fotografieren auf einem Sensor in Kleinbildgröße ermöglichte, hat mich, so toll sie auch war (und immer noch ist), ebenfalls nie komplett gefesselt. Natürlich war der Bildeindruck gerade mit den manuellen Linsen am KB-Sensor ein anderer, aber ich war ein wenig enttäuscht, dass meine Fotos nicht wirklich „besser“ waren als mit der 350D.

Im Jahr 2010 gab es plötzlich eine spannende Entwicklung. Ich nutzte die EOS 40D, die EOS 5D, ein paar kompakte Digiknipsen und eine Pentax K100D fast gleich häufig, doch diese Pentax war es, die mich am meisten inspirierte. Verrückt, oder? Daher muss ich die kleine Pentax-DSLR als Kamera des Jahres 2010 bezeichnen. Später tauschte ich sie gegen die Fuji S2 Pro meines Vaters, dem die große Fuji zu schwer wurde. Mein Vater hat dann noch liebend gerne mit der K100D fotografiert.

Meine Kamera des Jahres 2011 war meine erste spiegellose Systemkamera: die Sony NEX-3. Diese kleine Sony, die mir noch auf der Photokina 2010 gar nicht so sehr zusagte, eröffnete gerade für mich als „manuellen Adpatierer“ völlig neue Möglichkeiten.

Ihr große Schwester, die Sony NEX-7, war dann meine Kamera des Jahres 2012. Hui, die war richtig gut! Schnell, tolle Bildqualität, kompakt und überaus vielseitig.
Und doch, irgendwie haftete den Sony NEX Modellen stets der „Playstation-Charakter“ an. Mich erinnerten sie in der Bedienung eher an ein Computerspiel als an eine Kamera. Richtig benennen konnte ich das aber erst als ich zum ersten Mal meine Kamera des Jahres 2013 in den Händen hielt: die Fuji X-E1.
Die Fuji konnte all das, was die Sonys auch konnten, sie musste aber bedient werden wie eine Kamera und sah zudem noch umwerfend gut aus. Kein Wunder also, dass sie meine Favoritin war.

Ab 2014 habe ich dann hier im Blog meine Jahres-Besten-Listen veröffentlicht…

Meine Fotobücher des Jahres 2015

Ja, in der Tat. Ich habe mir in bisher noch keinem Jahr so viele Fotobücher gekauft wie in 2015. Warum? Weil ich bemerkt habe, dass gute Fotobücher (und ich meine die, dich ich ganz persönlich gut finde) mich wirklich fesseln. Kleine Jungs schauen sich die Dribbel-Tricks im Fußball von den Könnern ab, warum sollen sich große Jungs nicht auch von Könnern inspirieren lassen?  😉

Hier nun also die Liste meiner Fotobücher 2015, allerdings kein Ranking, sondern „nur“ eine Nennung, denn diese Bücher sind derart unterschiedlich, dass ein Vergleich und eine Abstufung kaum möglich wäre.

Bereich 1: Bücher zur „Technik“ und Philosophie der Fotografie

Absolut Analog (von Monika Andrae und Chris Marquart). Dieses Buch passte im Jahr 2015 sehr gut zu mir; nicht, weil ich „absolut“ analog fotografiert habe, sondern weil ich mich in den 15 Jahren zuvor nie so intensiv mit analoger Fotografie auseinandergesetzt habe wie im zu Ende gehenden Jahr. Das Buch eignet sich sowohl als Einstieg als auch als Nachschlagewerk zum Thema.

Schwarzweiß-Fotografie – Die große Fotoschule (von André Giogoli). Wenn ein Buch den Untertitel „die große Fotoschule“ oder so ähnlich trägt, bin ich immer etwas vorsichtig, weil meist die Erwartungen nicht erfüllt werden. Giogoli aber konzentriert sich, wie der eigentliche Titel auch besagt, auf die S/W-Fotografie (von daher ist der Titelzusatz etwas irreführend) und dies macht er sehr gut. S/W ist eines meiner „Steckenpferde“, sowohl analog als auch digital. Sein Buch behandelt beide Formen mitsamt dem „hybriden“ Ansatz, den ich so mag.

Die Essenz der Fotografie: Sehen lernen und bewusster gestalten (von Bruce Barnbaum). Hier wird es nun philosophisch, beinahe sogar schon etwas esoterisch, ganz ehrlich. Manchmal geht Barnbaum mir im Text ein bisschen zu weit, doch oft regen seine Worte zum Nachdenken an und das finde ich sehr wichtig und sehr gut. Wer sich seinem Hobby einmal von einer anderen Seite aus nähern will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Die Bildlooks der Profis (von Domquichotte). Dieses Buch nutzt einen völlig anderen Ansatz, zu 100% pragmatisch. Es ist eine Art „Kochbuch für Lightroom“ mit all den Rezepten, die der Autor (der auch Postproducer ist) selbst nutzt, um seine Bildlooks zu erreichen. Das Buch ist mit Sicherheit nicht „Mainstream“ und für viele vermutlich totlangweilig, wer aber einmal hinter die Kulissen eines Bildbearbeiters schauen und sich vielleicht den einen oder anderen Kniff abkucken möchte, der ist hier richtig. Man darf nur keine didaktische Aufarbeitung erwarten. 😉

 

Bereich 2: Bildbände

One Night in Rio (von Paul Ripke). Als Herausgeber dieses Buches tritt „Die Nationalmannschaft“ auf. OK, das ist ja schonmal ungewöhnlich. Dieses Buch polarisiert – ebenso wie Paul Ripke, der Fotograf der Bilder. Die einen finden zahlreiche technische Fehler in den Fotos, für mich waren es die atmosphärisch dichtesten Bilder, die ich im letzten Jahr gesehen habe. Ja, ich muss zugeben, ich bin vermutlich nicht ganz neutral, denn der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014 war für mich als Fußball-Fan (und ehemaliger Fußballspieler) ein derart massives Ereignis, dass es deutlich bis ins Jahr 2015 hineinwirkte. Daher sind die Ripke-Fotos für mich eine Möglichkeit, diese unvergleichliche Situation nach dem Endspiel in Rio nachzuerleben. Dass die Fotos mit einer Leica gemacht wurden unterstützen – für mich – das Besondere daran. Lieber Paul Ripke, Danke auch für die Widmung im Buch. 🙂

Caffé all‘ italiana (von Walter Vogel). Ich bin ein Fan der Kaffeehauskultur, vor allem von der Wienerischen und dem italienischen caffé (auch wenn laut Cicero diese Kultur bereits „tot“ sein soll). Eigentlich jedes Mal, wenn ich in einer Stadt bin, gönne ich mir 5 Minuten und einen Espresso. Wenn möglich, dann sitze ich dort allerdings viel länger. Und genau diese Szenarios hat Vogel auf analogem Film in wunderbarem S/W aufgezeichnet, diese besonderen Szenen des Alltags sind in seinem Buch gesammelt. Wenn man durch die Seiten dieses Buches blättert, hat man den angenehmen Duft in der Nase, der in solch ein Haus so appetitlich einlädt und man hört die typischen Geräusche. Wenn Fotos so etwas schaffen, dann sind es Fotos, die mich fesseln können.
Der signierte (!) Bildband von Vogel hat es übrigens gerade noch in diese Liste geschafft, denn ich habe ihn erst seit gestern. 😉

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Eine besondere Erwähnung soll ein weiteres Buch finden, dass ich mir als ePaper gekauft und dann ausgedruckt habe: „Das Photo Objektiv“ von Hans-Martin Brandt. Ein rein technisches Buch aus dem Jahre 1956, das aber auf faszinierende Weise in die Grundkonzepte des Objektivdesigns einführt.

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Machen Sie das mal wieder, nehmen Sie einen Bildband oder ein anderes Buch über die Fotografie in die Hand und lassen Sie sich in eine fremde Welt entführen. Es ist einfach etwas anderes, Fotos in einem Buch anzusehen als auf dem Computerbildschirm!

Meine Kamerataschen des Jahres 2015

Huch! Zwei Artikel heute? Ja, denn sonst werde ich mit der Liste in diesem Jahr nicht mehr fertig. Ich denke ohnehin, dass ich das Jahr 2015 auf den 01. Januar 2016 verlängern muss. 😉

Kommen wir nun also zu meinen Lieblingstaschen. In diesem Bereich hat sich im zu Ende gehenden Jahr echt einiges getan!

Noch vor gar nicht langer Zeit hätte diese Liste wie folgt ausgesehen: Kata D-3N1-30, Kalahri Molopo K-41i und Kalahari Mata Mata K-12. Auch heute noch mag ich diese drei Taschen sehr – die K-12 habe ich heute gerade für ein Fototreffen in Frankfurt (dazu später mehr!) gepackt.
Dennoch haben sich im Jahr 2015 drei andere Taschen vor diesen auf die ersten drei Plätze geschoben:

Den 3. Platz erreicht die „Lieschenradieschen Zeitungstasche„. Ähm? Wer? Nun ja, diese Tasche hat gar keinen Namen, denn sie ist in Kleinstserie (bisher gibt es nur EINE davon) handgearbeitet!
TascheZeitung04
Ich habe zu dieser Tasche einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, dem man alles weitere entnehmen kann.

Auf dem 2. Platz landete die Dothebag Mono 04 (ich weiß noch immer nicht, ob es „Dothebag“ in einem Wort wie auf Deutsch oder „do the bag“ als drei Wörter wie auf Englisch ausgesprochen  wird 😉 ). Diese Tasche war bereits unter den Taschen des Jahres 2014 und sie hat für mich nichts von ihrer Faszination verloren. Allerdings auch nichts von ihrer Enschränkung, sie ist einfach einen Ticken zu schmal (und daher nur auf dem „Zweiten“.) Auch über die Mono 04 habe ich bereits berichtet.

dothe1

Der Sieger dieser Kategorie 2015 und damit auf dem 1. Platz ist die Dothebag Mono 16. Diese Tasche vereint das extrem angenehme, beinahe erotische 😉 Anfassgefühl (da ist es wieder, dieses Wort!) der Mono 04 – welch ein geniales Leder! – mit dem Stauraum, den ich brauche, wenn ich meine Nikon mit einigen Objektiven (und eine weitere Kamera) mitnehmen möchte. Weitere Gründe für den Sieg finden Sie >>hier<<.

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Nanu! Das war aber ein kurzer Artikel. Ja, denn ich habe zu diesen Taschen bereits alles geschrieben. Wiederholungen gelten schnell als Stilfehler. 😉

Meine manuellen Objektive des Jahres 2015

Kommen wir nun also zu meinen im Jahr 2015 bevorzugten manuell zu fokussierenden Objektiven.
Zunächst dachte ich, die Wahl würde mir deutlich schwerer fallen (habe ich doch so viele sehr, sehr gute manuelle Objektive), doch nachdem ich kurz nachgedacht hatte, kristallisierten sich recht schnell ein paar Objektive heraus, die sich von den vielen anderen absetzen konnten. Allerdings war es dann unter den „besten 7“ ein enges Rennen, das in einer Führungsgruppe aus 4 Objektiven und eine Verfolgergruppe aus 3 weiteren endete.

Die Verfolger (und damit die Plätze 5, 6 und 7) setzen sich zusammen aus dem Voigtländer Ultron 2.0/28 (M-Bajonett), dem Voigtländer Color-Heliar 2.5/75 (M39) und dem SMC Pentax-A 1.4/50 (vor allem in Kombination mit dem Zhongyi „LensTurbo“ an der X-T1). Dies sind alles ausgezeichnete Objektive, deren Verarbeitung, Haptik und Leistung kaum Wünsche offen lassen. Und dennoch wurden sie von vier weiteren Objektiven auf die Plätze verwiesen:

Platz 4 (ausnahmsweise schließe ich die „Blech“-Medaille mit ein) erreicht ein Objektiv, das ich erst gegen Ende des Jahres so richtig kennenlernen durfte, das Nikkor 2.5/105. Dieses kurze Tele fasziniert mich jedes Mal, wenn ich es an einer Kamera habe. Egal, ob ich es an der Nikon Df, an der Nikon D7000 oder adaptiert an der Fuji X-T1 nutze, es zeigt immer wieder seinen ganz speziellen Charakter, eine Mischung aus klassischer Anmutung und moderner Leistung.

Auf dem 3. Platz landete ein Objektiv, das ich mir schon seit langer Zeit gewünscht habe, das ich aber erst im Spätsommer 2o15 (sozusagen als verfrühtes Weihnachtsgeschenk) bekam, das Leica Summicron-M 2.0/50 (IV). Die 4. Version des 50er Crons ist genau die, die ich gesucht hatte, weil sie in meinen Augen die optimale Kombination aus Charme, Abbildungsleistung und Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Und wahrlich, das Objektiv hat meine hohen Erwartungen nicht enttäuscht. Ganz gleich, ob ich es an der X-T1 adaptiert nutze oder an der Leica M8 bzw. an der M6 direkt, es begeistert.

Ganz knapp vor dem 50er schiebt sich das Leica Summicron-M 2.0/90 auf den 2. Platz, das ich kurz vor dem 50er, im Frühsommer 2015, fand. Es ist nicht die „APO“-Version und gilt daher als „nicht so scharf„. Diese Aussage klingt aber völlig verfälscht, denn über die Schärfe, die dieses „alte“ 90er erreicht, wäre so ziemlich jedes andere Objektiv dankbar! Es ist definitiv scharf genug – auch bei Offenblende – und zeigt gleichzeitig einen Charme, der mich immer wieder mit offenem Mund vor den Fotos sitzen lässt. Das Bokeh und vor allem der Übergang von der Schärfezone in die Unschärfe ist so angenehm und voller Schmelz. Die Art der Freistellung lädt einfach dazu ein, das Objektiv immer wieder nutzen zu wollen. Seitdem ich das 90er Cron habe, fristet mein (auch schon sehr gutes) 90er Elmarit ein Vitrinendasein. Schade eigentlich, aber wie heißt es so schön? „Des Bessere ist des Guten Feind.“

Diese Bilder meiner Mutter sind mit dem Summicron 90 an der Leica M8 (links) und an der Fuji X-T1 (rechts) entstanden.

(Vor einigen Wochen habe ich im Auftrag einer netten Bekannten zwei sehr ähnliche Versionen des 50ers und 90ers verkauft. Das konnte ich sehr guten Gewissens machen, da ich wusste, welch ausgezeichnete Linsen das sind.)

Wenn diese beiden Leica-Objektive auf dem 2. und 3. Platz landen, welches Objektiv kann den noch besser sein??
Nun, ich muss gestehen, es war nicht das „gut oder besser“ ausschlaggebend für die Verteilung unter den ersten drei Plätzen, sondern die im Endeffekt die Vielseitigkeit. Ein 90er, so toll es auch ist, bleibt als kurzes Tele für Portraits prädestiniert, einige Fotos kann man damit nicht machen. Die schon sehr vielseitige Brennweite 50mm wird ein wenig durch die Sensorgröße relativiert, die ich damit nutzen kann. An der Fuji wirkt es wie ein 75er und an der M8 wie ein „66er“ und somit auch wie ein kurzes Tele.

Mein „Manuelles Objektiv des Jahres 2015“ wurde daher ein 35er. Den ersten Platz konnte sich das Nikkor AI 1.4/35 sichern.

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Nikkor AI-S 1.4/35 an der Nikon Df (Foto: Sony Xperia Z3)

Auch dies ist ein Objektiv, das ich schon seit langem gerne gehabt hätte, all den Verrissen im Netz zum Trotz und auch dieses Objektiv konnte ich erst im Sommer 2015 meiner Ausrüstung hinzufügen. Seitdem ist es eigentlich immer, wenn ich die Nikon Df einpacke, mit in der Tasche. Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass ich die Nikon einmal ohne dieses 35er mit hatte. Das zeigt wohl schon, wie sehr ich davon begeistert bin, übrigens ganz besonders an der Df! Denn an der D7000 ist es zwar auch sehr gut, doch das Spezielle der Linse kommt an einem APS-Sensor nicht so zum Tragen.
Ja, das 1.4/35 ist nicht perfekt. Ja, es zeigt bei Offenblende ein paar Einschränkungen („Coma“). Ja, die Bokeh-Highlights könnten weicher sein (das Bokeh ist sehr cremig für ein Weitwinkel). Aber all das sind „Makel“, die ich nicht als solche sehe. Da setzt der berühmt-berüchtigte Ken Rockwell andere Prioritäten als ich, und wissen Sie was? Damit kann ich sehr gut leben! 😉
Es ist zwar eine mutige Aussage – gerade vor dem Hintergrund meiner Faszination für Leica – aber wenn ich nur eine Kamera und nur ein Objektiv behalten dürfte, dann wäre es die Nikon Df und das Nikkor AI 1.4/35. Rumms! Das hat gesessen. (Ich möchte mich hier in aller Öffentlichkeit bei all meinen anderen ausgezeichneten Kameras und Objektiven entschuldigen. Aber mit Wahrheiten muss man umgehen können.)

Voigtländer, Voigtländer, Pentax als Verfolger und Nikkor, Leica, Leica und Nikkor als Siegergruppe. Schält sich da etwa ein Muster heraus? Es scheint so. 😉

Eine lobende Erwähnung findet an dieser Stelle auch ein Objektiv, das hier nur ausser Konkurrenz mitspielen darf, da es kein Wechselobjektiv ist. Dennoch möchte ich es herausstellen, denn es hat das absolut verdient: das Fujinon 3.5/90, das fest an der Fuji GW690 verbaut ist, darf definitiv in einem Atemzug mit den oben gelisteten Objektiven genannt werden.

Meine AF-Objektive des Jahres 2015

Tja, wie soll ich bestimmen, was meine Autofokus-Objektive des Jahres sind? Nach Häufigkeit der Nutzung? Nach persönlicher „Zuneigung“? Nach Leistung? Oft passt das alles ja zusammen: das Objektiv, das die beste Leistung bringt und das man am liebsten hat wird auch am häufigsten Verwendung finden. Manchmal stimmen diese Aspekte aber auch nicht überein. Wenn man z.B. ein exzellentes 2.8/300 Tele hat, das man auch sehr mag, kann es dennoch sein, dass man eher selten damit fotografiert. Bei mir wäre das jedenfalls so, denn im längeren Telebereich fotografiere ich recht selten.
Gut, dann versuche ich irgendwie vom Bauchgefühl heraus zu urteilen. Die Top-3 werden sicherlich sehr gute, sehr angenehm zu handhabende und auch relativ häufig genutzte Objektive sein.

Spannend ist, dass nur eines der drei letztjährigen Sieger-AF-Objektive es auch diesmal unter die besten 3 geschafft hat. Das soll nicht heißen, dass sie heuer schlechter waren, die anderen beiden waren mir in diesem Jahr nur nicht ganz so wichtig.

Hier sind meine drei Top-Favoriten für 2015:

Den 3. Platz erreicht – durchaus ein wenig überraschend für mich – das Sigma EX 2.8-4/17-35. Nein, es ist nicht so extrem weitwinklig wie der Sieger von 2014 und es ist nicht so lichtstark wie die Reihe Sigma EX 1.8/20, 1.8/24 und 1.8/28, die auch alle hier stehen und es zeigt auch sicher nicht die extreme Schärfe eines Nikkor 14-24 (das ich auch gar nicht besitze), es ist aber wohl das universellste Weitwinkel-Objektiv, das ich für meine Nikon Df habe. Der Bereich von schon „ultraweiten“ 17mm bis hin zur Reportage-Brennweite 35mm bietet so ziemlich alles, was man sich im weiten Winkel so wünschen kann. Die Lichtstärke von f/2.8 bis f/4.0 ist auch mehr als ordentlich und wildert im Bereich der „normal-lichtstarken“ Festbrennweiten. Eigentlich kann man den ganzen Tag mit dem 17-35 und einem 85er herumlaufen und wird kaum etwas vermissen. Das mag ich so sehr, dass sich dieses 17-35 viel häufiger in meiner Fototasche wiederfindet als ich das zunächst erwartet hätte. Da die Abbildungsleistung an der Df zudem mehr als zufriedenstellend ist, angelt sich das Sigma WW-Zoom den dritten Platz.

Auf den 2. Platz schiebt sich das drittplatzierte Objektiv aus 2014: das Fujinon XR 1.4/35 R. Es gehört zu den preisgünstigsten Objektiven für die Fuji X-Serie und ist dennoch unglaublich gut. Es entspricht an Fuji-APS einem 50er „Normalobjektiv“ am Kleinbild bei einer Lichtstärke, die man sich nur extrem selten noch „schneller“ wünscht. Der AF an der Fuji X-T1 lässt keine Wünsche offen und die Abbildungsleistung ist – vor allem in diesem Preissegment – über alle Kritik erhaben. Da hat Fuji wirklich ein tolles Objektiv gezaubert, das sehr, sehr oft an meinen Fujis zu finden ist.

Auf dem Siegertreppchen ganz oben und damit auf dem 1. Platz landet das Nikkor AF 1.8/85 D. Die 85er Nikkore waren schon immer ganz besondere Objektive. Mein „vor-AI“ Nikkor-H 1.8/85 habe ich ins Herz geschlossen, seitdem ich es habe. Seit Sommer 2015 besitze ich auch den AF-Enkel. Es ist eine relativ frühe Version des AF 1.8/85 D, das tut aber meiner Begeisterung keinen Abbruch. Diese Portrait-Tele, das ich in Ribe in Dänemark während unseres Sommerurlauben in einem kleinen Fotogeschäft gefunden und ohne lange zu überlegen gekauft habe, harmoniert derart gut mit der Df, dass ich immer wieder erstaunt bin, wie perfekt dieses Set zusammenpasst. Eigentlich ein völlig unnötiger Kauf, hatte ich zu dieser Zeit doch bereits das H 1.8/85 und ein 90er Makro von Tamron (welches übrigens ebenfalls ein extrem gutes Objektiv ist und hier auf der Liste den 4. Platz erreicht hätte). Etwas später im Jahr kam dann auch noch der Klassiker, das 2.5/105, hinzu. Doch genau dies zeigt mir wieder, wie sehr ich die kurzen Teles mag (was sich auch im Teil zu den manuellen Objektiven äußern wird). Meine Lieblingsbrennweiten sind definitiv 35, 50 und 85/90/105 und mit etwas Abstand 24mm. Und das AF 1.8/85 D ist bei mir „ganz weit vorne“, obwohl es kein Objektiv ist, das ich „immer“ dabei habe. Aber jedesmal, wenn ich es mitnehmen und nutze, zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht.